Freitag, 4. September 2015

Kirche und Fortschritt- ein Fragment

"So glaubt der Bischof von Paumiers an den Fortschritt, und er hat sich von diesem Fortschritt ein Bild nach eigenem Maßstab gemacht." Zu diesem Fortschrittsverständnis gehört es nun, daß er "nur in der Zeit Priester" sein will. "Ich gehöre zu meiner Zeit". So charakterisiert G. Bernanos einen katholischen Bischof. Und sein Kommentar: " Aber er hat niemals darauf geachtet, daß er damit jedesmal das ewige Zeichen verleugnete, durch das er geprägt ist." G. Bernanos, Der Betrug, 1963, S.71)
1. Fragment

 Wenn die Geschichte ein Voranschreiten ist im Sinne eines Progresses, dann muß der Mensch immer in der Zeit, in der er lebt, auf der Höhe seiner Zeit sein. Denn zur Vorstellung des Progresses gehört die der Höherentwickelung vom Niederen zum  Höheren. Was gestern noch auf der Höhe der Entwicklung war, das ist heut schon überholt, und das Morgen wird das Heutige veralten lassen.Ein Mensch, selbst wenn es Jesus Christus ist, lebte auch in einer Zeit und da diese Zeit vergangen ist, kann auch nicht mehr Alles, was er damals auf der Höhe seiner Zeit tat, jetzt noch Gültigkeit haben.

Modernistische Theologen urteilen dann so: Jesus habe als Kind seiner Zeit wirklich an Daimonen und den Teufel geglaubt und konnte so von dem Teufel versucht werden und er konnte böse Geister austreiben. Wir Heutigen- auf der Höhe unserer Zeit- wissen inzwischen, daß es weder Teufel noch Daimonen gibt. Deshalb muß das "entmythologisiert" werden. 
Jesus war ein Kind seiner Zeit und deshalb erwählte er keine Frauen zu Aposteln. Wir leben als Heutige in der Zeit der Frauenemanzipation und deshalb müssen wir, um auf der Höhe der Zeit sein, für das Frauenpriestertum sein. Die selbe Argimentstion wird dann selbstredend auf die Thematik drr Homosexualität angewandt. 
Grundsätzlicher: das Ideal der Ursprungstreue ist zu ersetzen durch das der Zeitgemäßheit, denn die Höhe der Entwicklung zu einer Zeit bildet auch den normativen Rahmen für die Theologie. Es gibt kein Ewiges mehr, das sich in der Zeit offenbart hat, es gibt nur noch eine Entwicklung des Sichannäherns an die Wahrheit im Laufe der Zeit.

2. Fragment

Die Vorstellung des Fortschrittes ist dem Christentum nun selbst nicht nur äußerlich. Ja, es darf gemutmaßt werden, daß die christliche Religion sie erst hervorgebracht hat! Denn dem natürlichen Menschen liegt die Vorstellung der ewigen Wiederkehr viel näher. Der Jahresrhythmus von Frühling, Sommer, Herbst und Winter, des Sterbens und Wiederaufertehnens der Natur gibt keinen Ansatz für die Vorstellung eines Fortschrittes. (Es ist gewiß kein Zufall, daß der Christentumskritiker Nietzsche dann reheidnisierend die Idee der ewigen Wiederkehr zu denken vorschlägt als der Alternative zum Fortschrittsglauben.) Aber als im Christentum die Frage der Verhältnisbestimmung des Alten zum Neuen Testamentes virulent wurde, ergab sich nicht nur das Deutungsschema von dem AT als Verheißung und dem NT als Erfüllung -sondern auch das der Entwickelung. Das NT stellt dann eine höhere Stufe der Gotteserkenntnis dar gegenüber der Gotteserkenntnis des AT. Den zweiten Emergenzpunkt bildete dann die Reich Gottes Verkündigung  Jesu. Sie kann so verstanden werden, daß Gott am Ende der Zeiten sein ewiges Reich errichten wird und daß dies ein abruptes Ende einer Zeit ist, die bis dahin eine Geschichte der ecclesia militans in einer sündhaften Welt ist.Aber es war auch möglich, den Reich Gottes Begriff als eine Entwickelung zu denken, daß das, was Jesus als Keim angelegt hatte und im Laufe der Zeit zu dem Reich Gottes sich entwickelt. Die ganze Geschichte wäre dann nichts anderes als die der Entwickelung des von Jesus Christus zu Grunde Gelegten.So gesehen bildete die christliche Religion selbst den Humus für eine Fortschrittsgläubigkeit, aber nur, wenn Grundmotive der christlichen Religion selbst  schon im Geiste des Fortschrittes gedeutet werden- daß eben Jesu Reich Gottes Verkündigung als Verkündigung einer Entwicklung zum Reich Gottes, zum Auswachsen zum Reich Gottes verstanden wird und ebenso das Verhältnis des AT zum NT als das eines Fortschrittes gedacht wurde. 

3. Fragment

Es gibt in der christlichen Tradition eben nicht nur das apokalyptische Zukunfts- und Endbild sondern auch Stadienlehren. Man denke etwa an Joachim von Fiore mit seiner Lehre vom Reich des Vaters, (die Zeit des AT), vom Reich des Sohnes (NT und bis zu seiner Zeit) und vom Reich des Geistes (in Bälde, als der Erfüllungszeit, in der alle erfüllt sind vom Heiligen Geist, sodaß es das Mittleramt der Kirche nicht mehr bräuchte. Solche Modelle gründen  an der Zeit, in der, obwohl Jesus Christus als der Erlöser schon gekommen ist, noch es so viel Leid gibt, daß das Das des Geschehenseins der Erlösung unglaubbar wurde und so die Idee aufkam, daß die eigentliche Erlösung  noch ausstehe und auf sie nun gewartet wurde als einem Geschehen noch in dieser Zeit. 

4. Fragment

Wo die Theologie den Schwerpunkt auf den Gedanken des Progresses legt, kann sie dem Urdatum ihrer Existenz, der Selbstoffenbarung Gottes in Jesus Christus nicht mehr gerecht werden. Dies Urdatum  wird nämlich selbst der Vorstellung des Fortschrittes unterworfen und so relativiert. Es kann nichts Absolutes mehr in der Geschichte geben, wenn die Gesamtbewegung der Geschichte die des Fortschrittes ist, in der alles, was einst  heutig war,  zu einem Veralteten und nicht mehr auf der Höhe der Zeit Seiendes wird.  Das Ewige, das in der Zeit erscheint, muß, um als Ewiges gedacht zu werden, als dem Zeitstrom enthoben gedacht werden.      

5 Fragment

Es muß distinguiert werden die Vorstellung vom Fortschritt im Raume der Zivilisation- daß der Mensch beginnt, die Natur zu beherrschen und sie für sich zu nutzen von der Vorstellung im Raume der Kultur. So ist es ein zivilisatorischer Fortschritt, wenn heuer Schriftsteller ihre Romane nicht mehr wie zu Zeiten Goethes per Feder sondern am Computer schreiben, aber dieser Fortschritt garantiert nicht, daß die literarischen Produkte am Computer verfaßt höherwertig sind als die federgeschriebenen!  Wer diese Differenz von Zivilisation und Kultur unterschlägt, dem erscheinen dann auch alle zeitgenössischen Hervorbringungen der Kultur als höher als die früheren, bloß weil sie heutigen Datums sind! Und dem muß dann auch der heilige Text der Bibel etwas notwendigerweise Veraltetes werden! Die meistgebrauchte Phrase dazu lautet dann, daß das da wohl so in der Bibel stünde, daß man das aber heute so nicht mehr sagen darf.Und darum will die moderne Theologie  auch nur noch eine Theologie in ihrer Zeit sein.                              

     

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